Hard Trance
Hard Trance ist ein Trance-Subgenre, das Anfang der 1990er Jahre in Deutschland, Belgien und den Niederlanden entstand, beeinflusst von »harten« elektronischen Musikgenres wie Belgian New Beat, Breakbeat Hardcore, Happy Hardcore, Hardcore Techno oder Acid Techno.
Obwohl es eine »härtere« Version von Trance ist, gehört es immer noch zu den melodischen Formen des Genres. Melodien und Hooks sind oft positiv oder sogar kindlich, werden aber häufig von aggressiven Sounds wie dem ikonischen Hoover-Sound aus Hardcore Techno gespielt. Beats weisen oft starke, manchmal heruntergestimmte Kickdrums und eine hohe Menge an Reverb auf sowie blubbernde Roland TB-303-»Acid«-Basslines. Daher gibt es eine starke Beziehung zu Acid Trance, und es ist manchmal nicht einfach, das eine vom anderen zu unterscheiden.
In den frühen Tagen hatten Hard-Trance-Tracks auch ein schnelleres Tempo von 150 bpm und mehr. Gute Beispiele für »First Wave«-Hard Trance sind Paragliders (Oliver Lieb und Torsten Stenzel) »Paraglide« (1993) oder der Genre-Klassiker »The Meltdown« (1993) vom französischen DJ/Produzenten Guillaume Leroux alias Lunatic Asylum. Neben dem »Sound of Frankfurt«-Label Eye Q Records – bekannt für z.B. »Firedance« (1994) von Odyssee Of Noises (Ralf Hildenbeutel, Steffen Britzke und Matthias Hoffmann) – gehören zu den Hard-Trance-Labels Bonzai Records aus Belgien mit z.B. dem belgischen Duo Jones & Stephenson’s »The First Rebirth« (1993) sowie das deutsche Fog Area Records von DJ Jo, bekannt für z.B. seinen 1995er Track »Space Harmony« oder das Label des Tunnel Clubs in Hamburg, Tunnel Records, gegründet 1993 von seinem Resident-DJ DJ Dean. Ein weiterer Resident im Tunnel Club war Gerald Malke alias Gary D., bekannt für Tracks wie »Die Herdplatte (100°)« (1995, mit Timo Maas), »Kinetic Pressure« und »Overload« (beide 1996). 1995 startete Gary D. die CD-Serie »D.Trance«, die bis zu seinem Tod 2016 die 76. Ausgabe erreicht hatte. Er kompilierte auch die ersten sieben Ausgaben von »Tunnel Trance Force«, einer Compilation von Musik, die im Tunnel Club gespielt wurde. Weitere bemerkenswerte (deutsche) Künstler sind das Duo Sunbeam und ihr größter Hit »Outside World« (1994) sowie das Trio Raver’s Nature, dessen Tracks »Take Off!« und »Stop Scratchin’« (beide 1995) den Weg in den Mainstream fanden.
Ende der 1990er Jahre entstand ein neuer Hard-Trance-Stil. Das Tempo verlangsamte sich auf 140 bpm, und Tracks kombinierten aggressive Kickdrums und Basslines mit dem großen Sound des niederländischen euphorischen Trance. Beispiele sind der deutsche DJ/Produzent Frank Zenker alias Scot Project, bekannt für Tracks wie »U (I Got a Feeling)« (1995), »Y (How Deep Is Your Love)« (1998) oder »O (Overdrive)« (2001), sowie sein Landsmann Kai Franz alias Kai Tracid, bekannt für Tracks wie »Your Own Reality« (1997), »Liquid Skies« (1998) oder seine größten Hits »TooMany Times« und »Life Is Too Short« (beide 2001). Tracid war auch Teil des Duos A*S*Y*S (Acid Save Your Soul, mit Frank Ellrich) und gründete 1998 sein eigenes Label Tracid Traxxx. Weitere bemerkenswerte »2nd Wave«-Künstler sind das deutsche Duo Cosmic Gate, bekannt für Tracks wie ihre erste Single »The Drums« (1999) oder »Human Beings« (2003), und der niederländische DJ Bart Claessen alias Barthezz, dessen Track »On The Move« (2000) 2001 ein weltweiter Sommerhit wurde.
Nachdem einige Genre-Tracks sogar von Major-Labels lizenziert wurden, nahm die Popularität von Hard Trance Mitte der 2000er Jahre ab und entwickelte sich schließlich zu Hardstyle.